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Sonntag

Kein Ort – nirgends. Displaced persons - Schicksale im Nachkriegsdeutschland

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes in der Apostelkirche am 23. April um 15.00 Uhr anlässlich des „Eimsbütteler Monat des Gedenkens 2017“ stehen so genannte „displaced persons“. Ein fürchterlicher Begriff, der ausdrückt, dass diese Menschen keinen Ort haben, nirgends dazugehören.

Von 1945 - 1952 lebten „displaced persons“ – abgekürzt „DPs“ - in Lagern in der Bundesrepublik, Österreich und Italien. Als DPs galten Menschen, die durch deutsches unrechtmäßiges Handeln im Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat deportiert worden waren, sei es als Zwangarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Zwangsverschleppte und als überlebende Insassen von Konzentrationslagern. Vielen der DPs war es aus unterschiedlichen Gründen unmöglich, in ihre Heimat zurückzukehren oder in ein anderes Land aufgenommen zu werden: Manche Menschen, die in Nazi-Deutschland Zwangsarbeit verrichten mussten, befürchteten, in ihrer Heimat wegen „Kollaboration“ verfolgt oder gar mit dem Tod bestraft zu werden. Anderen war es aus gesundheitlichen Gründen verwehrt, dass ein anderes Land, z.B. die USA, sie aufnahm.   

Unter den DPs waren auch etwa 100 000 Jüdinnen und Juden, die in die westlichen Besatzungszonen kamen.

Die in der BRD verbliebenen Displaced Persons waren oft noch jahrelang in Lagern untergebracht, einige in Teilen von Konzentrationslagern, wie z.B. in Bergen-Belsen in einem Gebäude der Wehrmacht neben dem KZ-Gelände.

Bekannt ist, dass diese Menschen von der deutschen Bevölkerung und Verwaltung diskriminiert wurden: Sie galten als „heimatlose Ausländer“, als staatenlos - auch wenn sie, wie etwa jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, früher die deutsche Staatsangehörigkeit hatten, die ihnen aber im sog. Dritten Reich aus „rassischen Gründen“ aberkannt worden war.  Eine Gleichstellung mit deutschen Flüchtlingen und Vertriebenen, etwa bei der materiellen Entschädigung von Vermögensverlusten, wurde vermieden.

„Heimatlose Ausländer“ haben kein Wahlrecht und keinen deutschen Pass. Ihr Status wird auch an die Nachkommen vererbt.

Was es bedeutet, aus seiner Heimat vertrieben zu werden, keinen Ort für sich zu haben,  nirgends dazuzugehören, rechtlos und abhängig zu sein, wird uns aktuell tag-täglich mit den Informationen über Geflüchtete aus Afrika und Asien vor Augen geführt. Von Schicksalen einzelner DPs  ist am Sonntag, dem 23.4. 2017 um 15. 00 Uhr in der Apostelkirche  im Gottesdienst und in der anschließenden Zusammenkunft zu hören.

Ort: Apostelkirche

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