Veranstaltungs­kalender

 

Sonntag

An die Nachgeborenen

Lieder von Hanns Eisler und Bertolt Brecht

Julia Bathe, Gesang; Inés Fabig, Rezitation; Gerd Jordan, Klavier.

Die drei Künstler*innen Julia Bathe, Gesang, Inés Fabig, Rezitation und Gerd Jordan, Klavier, präsentieren musikalische und lyrische Kleinode: Es geht um Verfolgung und Vertreibung ins Exil, um Täter und Opfer der Nazis, um Menschen und Völker, die als „nicht lebenswert“ diskriminiert und entrechtet worden waren. Und letzten Endes geht es auch um uns, um unsere Verantwortung für Humanität und Menschenrechte in der Gegenwart.

Zu hören sind die Lieder des Komponisten Hanns Eisler, dem Meisterschüler Arnold Schönbergs, die er auf die oft kurzen, komprimierten Gedichte von Bertolt Brecht im Exil zwischen 1939 und 1945 schrieb. Hanns Eisler nannte seinen Liederzyklus später „Hollywood Elegien“. Das kleine Ensemble hatte im Januar mit diesem Programm eine beeindruckende Premiere.

Eisler und Brecht, diese zwei „berühmten Unbekannten“ hatten Ende der Zwanziger und Anfang der Dreißiger Jahre zunächst große Erfolge feiern können. Als die Nazis an die Macht kamen, waren sie gezwungen, ins Exil zu gehen. Ihre Werke wurden verboten, verbrannt, als entartet bekämpft. Begriffe wie „Zivilisationsbruch“, „Holocaust“ oder „Shoah“ stellen Versuche dar, Unfassbares in Worte zu fassen. Das sind aber Begriffe, hinter denen man kaum noch entdecken kann, dass das von deutschen Nazis geführte mehrheitlich jubelnde Deutschland als Staat systematisch die europäischen Juden tötete, die Roma und Sinti, viele Homosexuelle und Zeugen Jehovas, auch hunderttausende Kommunisten und Sozialisten. In unserem kulturellen Gedächtnis ist kaum die allergrößte Zahl ermordeter Menschen präsent: Etwa 27 Millionen Russen, Weißrussen, Ukrainer, Armenier, Georgier..., sie waren Bürger der damaligen Sowjetunion, wurden getötet, ermordet. Der Opfer dieser historischen Verbrechen wollen die drei Interpret*innen künstlerisch gedenken und der Hoffnung Ausdruck geben, ein Zusammenleben ohne Krieg, Rassismus, Nationalismus und Unterdrückung zu gestalten.

Eines der bewegensten Gedichte ist von dem damals erst 18jährigen Ungarn Attila József (1905 - 1937): „Die zukünftigen Menschen“. Attila József nahm sich, als der ehemals kaiserliche General Horthi in Ungarn bereits 18 Jahre an der Macht war und unter seiner Herrschaft Zehntausende ungarische Juden und Tausende Kommunisten ermordet worden waren, im Jahr 1937 sehr wahrscheinlich das Leben. Die letzten Zeilen seines Gedichts lauten:

Immer erwarten sie den unerwarteten Gast

und haben für ihn gedeckt

den Tisch und auch ihr Herz.

Möget ihr ihnen ähnlich sein,

daß eure Kinder mit Lilienfüßen

unschuldig das Blutmeer durchschreiten,

das zwischen uns liegt und ihnen.

Eintritt frei. Um eine Spende wird gebeten.

Ort: Christuskirche Gemeindesaal

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