Helmut-Frenz-Preis

 

Helmut-Frenz-Preis

„Helmut-Frenz-Preis“-Verleihung

Am Sonntag, dem 4. Februar 2018, ist im Rahmen einer festlichen Veranstaltung wieder der Helmut-Frenz-Preis verliehen worden.

Helmut Frenz (1933-2011) war Theologe und Pastor in Deutschland, dann Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Chile bis zu seiner Ausweisung durch die Militärjunta unter Pinochet, weil er sich für politisch Verfolgte eingesetzt hatte. Später wurde Frenz u.a. Generalsekretär der deutschen Sektion von amnesty international und Flüchtlingsbeauftragter des Landtages von Schleswig-Holstein und der nordelbischen evangelisch-lutherischen Kirche. Er war ein Streiter gegen Ausbeutung und Verfolgung und für Menschenrechte. Zuletzt wohnte er in Eimsbüttel. An ihn erinnert eine Gedenktafel in der Apostelkirche.

Zum Gedenken an Helmut Frenz wird der nach ihm benannte Preis alle zwei Jahre von unserer Kirchengemeinde Eimsbüttel und dem Ida-Ehre-Kulturverein verliehen. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert. Er soll Menschen und Organisationen würdigen, die sich mit Mut und Tatkraft in unserer Gesellschaft für Menschenrechte einsetzen. Daher soll er an Menschen oder Institutionen verliehen werden, die nach einem Motto von Helmut Frenz „der Menschlichkeit ein mutiges Beispiel geben“. Konkret bedeutet dies:
Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen sind aufgefordert, sich um die Verleihung des Preises zu bewerben oder Vorschläge zu machen. Das ist möglich, wenn sie
- sich für Minderheiten bzw. für Menschen ohne Lobby einsetzen
- eine gesellschaftliche Problematik bzw. gesellschaftliche Defizite aufzeigen
- gegen den Strom schwimmen
- Zivilcourage aufbringen
- durch ihren Einsatz für Menschenrechte ein Beispiel geben und zur Nachahmung motivieren.

Eine unabhängige Jury hat aus dem Kreis der Bewerbungen vier Nominierte ausgewählt, die bei der Veranstaltung von jeweils einer Laudatorin/einem Laudator vorgestellt wurden.

Für den Helmut-Frenz-Preis 2018 sind nominiert worden:

Antje Holst, Gründerin der Friedensgruppe in der Ev.-Luth. Gemeinde St. Martinus in Hamburg-Eppendorf und Beauftragte für Mission und Ökumene in der Gemeinde. Sie ist beteiligt am Aufbau der Martin-Luther-Schule in Bukavu/Kongo.

Anja Reschke, Journalistin, Preisträgerin des Deutschen Fernsehpreises, berichtet über gesellschaftsrelevante Themen und Missstände. Sie ist Herausgeberin und Autorin des Buches "Und das ist erst der Anfang" - Deutschland und die Flüchtlinge.

Mujeres sin fronteras, interkulturelle Frauenorganisation, die Frauen und Trans-Idente aus Lateinamerika in Hamburg unterstützt und betreut und sich für die Rechte von Migrantinnen und Flüchtlingen einsetzt.

Tornado Rosenberg, Gitarrist und Komponist, Hamburger Swing- und Jazzmusiker. Er streitet für Frieden und Respekt vor der Menschenwürde und gegen Diskriminierung und Vorurteile.

Die Jury sah sich nicht in der Lage, sich für eine/n Preisträger/in zu entscheiden und hat deshalb von der in der Satzung vorgesehenen Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Preis zu teilen.

 

Ausgewählt wurden die Journalistin Anja Reschke und die Frauenorganisation „Mujeres sin fronteras“.

 

Die Laudatorin für Anja Reschke, die ehemalige Landespastorin des Diakonischen Werks Annegrethe Stoltenberg, hat auf einen Kommentar in den tagesthemen hingewiesen, in dem Anja Reschke drastische Äußerungen gegen Flüchtlinge zitiert hat, die bis zu schlimmsten Aufforderungen zu Gewalt gingen und sogar mit Klarnamen im Internet beispielsweise geäußert wurden. Einige bekamen dafür so viele „likes“, dass sich diese Rassisten auch noch toll dabei vorgekommen sind. Der springende Punkt des Kommentars war: Bliebe es nur bei Worten, könnten sie auch ignoriert werden. Aber es gibt ja brennende Flüchtlingsunterkünfte. Vielen Worten sind schon Taten gefolgt.

Lange ist es her, dass es bei uns einen „Aufstand der Anständigen“ gab, es wird Zeit für einen neuen „Aufstand der Anständigen“ - mit diesem Appell endete der Kommentar.

 

 

Schön zu hören war, dass Sophie Scholl für Anja Reschke ein Vorbild war. Sophie Scholl, die auch als eine „moderne Apostelin“ in den Altarfenstern der Apostelkirche dargestellt wird.

 

Die Laudatorin für die internationale Frauenorganisation „Mujeres sin fronteras“ war die Rechtsanwältin Gabriela Lünsmann. Da die ausgezeichnete Gruppe sehr konkret für Frauen und Trans-Idente arbeitet, allerdings selten in der Öffentlichkeit erscheint, wurde von Frau Lünsmann erst einmal geschildert, auf welchen Feldern diese Frauen engagiert sind: Sie beraten seit mehr als zwanzig Jahren Frauen und Trans-Idente aus Lateinamerika auf Spanisch und Portugiesisch im Centro Sociale zu aufenthaltsrechtlichen Fragen, unterstützen aber auch bei ganz alltäglichen Problemen. Um unabhängig zu sein, verzichten sie auf staatliche Unterstützung.

 

Für einen wunderbaren kulturellen Rahmen der Veranstaltung sorgte der aus Syrien stammende Opernsänger Hussein Atfa, der von unserer Kirchenmusikerin Constanze Kowalski am Klavier begleitet wurde. Herr Atfa bekam tosenden Applaus – der überging in ein großes Lob für die gelungene Veranstaltung.                                          Claudia Brand