Helmut-Frenz-Preis

 

Helmut-Frenz-Preis

 Helmut-Frenz-Preis                                                                                          

für »Menschen und Organisationen, die der Menschlichkeit ein mutiges Beispiel geben«

      Ausschreibung 2020 

Helmut Frenz war Pastor und Seelsorger für seine Gemeinden in Deutschland und Chile und Kämpfer für die Menschenrechte. Der 2011 gestorbene Theologe hat als Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile durch sein Engagement vor und während der Militärdiktatur anderen Mut gemacht, sich für Menschlichkeit und für Menschenrechte einzusetzen.

Nach seiner Ausweisung durch die Pinochet-Junta war er zunächst Generalsekretär von Amnesty International (1976-1985), von 1995 bis 1998 Flüchtlingsbeauftragter der Nordelbischen, Evangelisch-Lutherischen Kirche, von 1999 bis 2003 Landesbeauftragter des Schleswig-Holsteinischen Landtages für Flüchtlings- und Zuwanderungsfragen und danach Professor für Menschenrechte und Friedenserziehung an der staatlichen Universität    De los Lagos in Santiago de Chile.

Die Erinnerung an diesen ungewöhnlichen Mann wachzuhalten und Menschen zu ermutigen,  ihm nachzueifern  – das ist das Ziel des Helmut-Frenz-Preises. Der Ida Ehre Kulturverein, die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Eimsbüttel und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland haben ihn 2014 zum ersten Mal vergeben.                                                      Der Preis ist mit 3000.- Euro dotiert und wird für 2020 von der Kirchengemeinde Eimsbüttel und vom Ida Ehre Kulturverein ausgelobt.

Sie sind eingeladen, Preisträger für 2020 zu nominieren.

Ein Preis für Einsatz und Mut
Der Helmut-Frenz-Preis würdigt Menschen, die sich für die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft aus innerer Überzeugung engagieren und sich damit auch für die Realisierung der Menschenrechte einsetzen. Es geht um Menschen, die helfen und nicht fragen, ob sie etwas dafür bekommen, die sich entscheiden zu handeln, auch gegen den Widerstand und den Widerspruch von Gesellschaft und Staatsorganen.  Helmut Frenz schreibt:  „Jesus Christus fordert uns auf, Kollaborateure der Menschlichkeit zu sein. Unser Zeugnis ist jetzt gefragt im Einsatz für diejenigen, denen jetzt keiner helfen will.“

Wenn Sie solche Menschen und Organisationen kennen, dann  schreiben Sie uns und begründen Ihren Vorschlag. Es wäre gut, wenn Sie Ihren Vorschlag mit Bildern, Videos etc. konkretisieren könnten.  Einsendeschluss: Dienstag 1.Oktober 2019

Adresse:  Ida Ehre Kulturverein und Ev.- Luth. Kirchengemeinde Eimsbüttel,     Postfach 201555, 20205 Hamburg                                                                              

Weitere Informationen auf www.ida-ehre-kulturverein.de und  www.ev-ke.de

 

„Helmut-Frenz-Preis“-Verleihung

Am Sonntag, dem 4. Februar 2018, ist im Rahmen einer festlichen Veranstaltung wieder der Helmut-Frenz-Preis verliehen worden.

Helmut Frenz (1933-2011) war Theologe und Pastor in Deutschland, dann Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Chile bis zu seiner Ausweisung durch die Militärjunta unter Pinochet, weil er sich für politisch Verfolgte eingesetzt hatte. Später wurde Frenz u.a. Generalsekretär der deutschen Sektion von amnesty international und Flüchtlingsbeauftragter des Landtages von Schleswig-Holstein und der nordelbischen evangelisch-lutherischen Kirche. Er war ein Streiter gegen Ausbeutung und Verfolgung und für Menschenrechte. Zuletzt wohnte er in Eimsbüttel. An ihn erinnert eine Gedenktafel in der Apostelkirche.

Zum Gedenken an Helmut Frenz wird der nach ihm benannte Preis alle zwei Jahre von unserer Kirchengemeinde Eimsbüttel und dem Ida-Ehre-Kulturverein verliehen. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert. Er soll Menschen und Organisationen würdigen, die sich mit Mut und Tatkraft in unserer Gesellschaft für Menschenrechte einsetzen. Daher soll er an Menschen oder Institutionen verliehen werden, die nach einem Motto von Helmut Frenz „der Menschlichkeit ein mutiges Beispiel geben“. Konkret bedeutet dies:
Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen sind aufgefordert, sich um die Verleihung des Preises zu bewerben oder Vorschläge zu machen. Das ist möglich, wenn sie
- sich für Minderheiten bzw. für Menschen ohne Lobby einsetzen
- eine gesellschaftliche Problematik bzw. gesellschaftliche Defizite aufzeigen
- gegen den Strom schwimmen
- Zivilcourage aufbringen
- durch ihren Einsatz für Menschenrechte ein Beispiel geben und zur Nachahmung motivieren.

Eine unabhängige Jury hat aus dem Kreis der Bewerbungen vier Nominierte ausgewählt, die bei der Veranstaltung von jeweils einer Laudatorin/einem Laudator vorgestellt wurden.

Für den Helmut-Frenz-Preis 2018 sind nominiert worden:

Antje Holst, Gründerin der Friedensgruppe in der Ev.-Luth. Gemeinde St. Martinus in Hamburg-Eppendorf und Beauftragte für Mission und Ökumene in der Gemeinde. Sie ist beteiligt am Aufbau der Martin-Luther-Schule in Bukavu/Kongo.

Anja Reschke, Journalistin, Preisträgerin des Deutschen Fernsehpreises, berichtet über gesellschaftsrelevante Themen und Missstände. Sie ist Herausgeberin und Autorin des Buches "Und das ist erst der Anfang" - Deutschland und die Flüchtlinge.

Mujeres sin fronteras, interkulturelle Frauenorganisation, die Frauen und Trans-Idente aus Lateinamerika in Hamburg unterstützt und betreut und sich für die Rechte von Migrantinnen und Flüchtlingen einsetzt.

Tornado Rosenberg, Gitarrist und Komponist, Hamburger Swing- und Jazzmusiker. Er streitet für Frieden und Respekt vor der Menschenwürde und gegen Diskriminierung und Vorurteile.

Die Jury sah sich nicht in der Lage, sich für eine/n Preisträger/in zu entscheiden und hat deshalb von der in der Satzung vorgesehenen Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Preis zu teilen.

 

Ausgewählt wurden die Journalistin Anja Reschke und die Frauenorganisation „Mujeres sin fronteras“.

 

Die Laudatorin für Anja Reschke, die ehemalige Landespastorin des Diakonischen Werks Annegrethe Stoltenberg, hat auf einen Kommentar in den tagesthemen hingewiesen, in dem Anja Reschke drastische Äußerungen gegen Flüchtlinge zitiert hat, die bis zu schlimmsten Aufforderungen zu Gewalt gingen und sogar mit Klarnamen im Internet beispielsweise geäußert wurden. Einige bekamen dafür so viele „likes“, dass sich diese Rassisten auch noch toll dabei vorgekommen sind. Der springende Punkt des Kommentars war: Bliebe es nur bei Worten, könnten sie auch ignoriert werden. Aber es gibt ja brennende Flüchtlingsunterkünfte. Vielen Worten sind schon Taten gefolgt.

Lange ist es her, dass es bei uns einen „Aufstand der Anständigen“ gab, es wird Zeit für einen neuen „Aufstand der Anständigen“ - mit diesem Appell endete der Kommentar.

 

 

Schön zu hören war, dass Sophie Scholl für Anja Reschke ein Vorbild war. Sophie Scholl, die auch als eine „moderne Apostelin“ in den Altarfenstern der Apostelkirche dargestellt wird.

 

Die Laudatorin für die internationale Frauenorganisation „Mujeres sin fronteras“ war die Rechtsanwältin Gabriela Lünsmann. Da die ausgezeichnete Gruppe sehr konkret für Frauen und Trans-Idente arbeitet, allerdings selten in der Öffentlichkeit erscheint, wurde von Frau Lünsmann erst einmal geschildert, auf welchen Feldern diese Frauen engagiert sind: Sie beraten seit mehr als zwanzig Jahren Frauen und Trans-Idente aus Lateinamerika auf Spanisch und Portugiesisch im Centro Sociale zu aufenthaltsrechtlichen Fragen, unterstützen aber auch bei ganz alltäglichen Problemen. Um unabhängig zu sein, verzichten sie auf staatliche Unterstützung.

 

Für einen wunderbaren kulturellen Rahmen der Veranstaltung sorgte der aus Syrien stammende Opernsänger Hussein Atfa, der von unserer Kirchenmusikerin Constanze Kowalski am Klavier begleitet wurde. Herr Atfa bekam tosenden Applaus – der überging in ein großes Lob für die gelungene Veranstaltung.                                          Claudia Brand