Nachrichten und Berichte

 

In dieser Rubrik finden Sie Nachrichten, die die gesamte Gemeinde betreffen, Aktuelles, das im Gemeindebrief noch nicht veröffentlicht werden konnte, oder Entwicklungen, die wir für so wichtig halten, dass wir sie hier erwähnen.

Außerdem werden wir an dieser Stelle über Veranstaltungen berichten, die wir für so interessant halten, dass wir auch diejenigen teilhaben lassen möchten, die nicht selbst daran teilnehmen konnten.

 

Zurzeit sind keine Nachrichten vorhanden.

Stolperstein für Louis Lübeck - Gedenkrundgang

Stolperstein Louis Lübeck

Folgender Text wurde am Heußweg/Ecke Tornquiststraße mit einem Kranz aufgehängt und an dem Haus befestigt, vor dem der Stolperstein in Gedenken an Louis Lübeck liegt:

"Im Anschluss an einen Gedenkgottesdienst für Opfer des Naziregims in der Apostelkirche am 12.11.2017 machten wir wie alljährlich einen Rundgang zu Stolpersteinen in Eimsbüttel. Dabei erinnerten wir hier an Louis Lübeck, der als jüdischer Kaufmann seiner Heimatstadt Hamburg verbunden war und durch zahlreiche Handelsvertretungen mit dem Ausland in Verbindung stand.

Nach 1938 wurde er, nachdem er sein Geschäft seiner nichtjüdischen Frau übertragen hatte, mehrfach im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert, 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Es soll auch an seine Tochter erinnert werden, die, durch den gewaltsamen Tod ihres geliebten Vaters traumatisiert, nach Kriegsende ihrem Leben selbst ein Ende machte.

Uns Heutigen soll das Schicksal dieser beiden Menschen als Mahnung dienen, wachsam zu sein, wo Menschen wegen ihrer rassischen, religiösen oder politischen Zugehörigkeit ausgegrenzt, diskriminiert und verfolgt werden.

Die Gottesdienstwerkstatt St. Stephanus

der Ev.-luth. Kirchengemeinde Eimsbüttel"

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Besuch in Wismar und Buchholz bei unserer Partnergemeinde

Heute haben wir uns mit einigen Mitgliedern unserer Partnergemeinde Buchholz (bei Rostock) vor der Sankt Nikolai-Kirche in Wismar getroffen, um dort gemeinsam den Gottesdienst zu besuchen. Beim Anblick des erhabenen, weil sehr hohen und dabei sehr schmalen Mittelschiffes, in dessen oberen Bereich die Sonne hell strahlte, blieb mir fast der Atem weg (er ist 37 m hoch und 10,50 m breit). Herrlich!

Nach dem interessanten und berührenden Gottesdienst, der Teil der 3. Landeskonferenz des „Blaukreuz Landesverband Mecklenburg-Vorpommern“ war, wurden wir durch Wismars sehr geschickt restaurierte Altstadt geführt und in einem gemütlichen Gemeindesaal von den Mitgliedern der Gemeinde Buchholz, die das Essen extra mitgebracht hatten, bewirtet.

Anschließend fuhren wir nach Buchholz und bekamen dort Kaffee und Kuchen. Die Kirche unserer Partnergemeinde wird gerade renoviert. Im vorderen Bereich, der vor allem von Rot- und Brauntönen bestimmt wird und in dem gerade nicht gearbeitet wurde, befand sich eine Ausstellung, die wir besuchen konnten. Sie war nur Schwarz und Weiß. Da waren weiße Trittleitern, auf und neben denen schwarz-weiße Bilder standen oder lagen, die ca. 30 x 30 cm groß waren. Zur Ausstellung gehörte es, dass wir diese Bilder umgruppieren durften, wie es jedem oder jeder von uns beliebte.    Monica von Koschitzky

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Kalenderblatt

Am 15. August 1917 ist Oscar Romero in Ciudad Barrios (El Salvador) geboren, einer der neuen Apostel im Altarraum der Apostelkirche. - Rechtes Chorfenster, oben.

Oscar Romero studierte Theologie am jesuitischen Priesterseminar in San Salvador und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Am 4. April 1942 empfing er die Priesterweihe. Die Bischofsweihe folgte 1970. Romero leitete in Salvador eine konservative Zeitung.

Als Wunschkandidat der Konservativen und Oligarchen, jedoch ohne Unterstützung des Klerus, folgte Anfang 1977 die Ernennung zum Erzbischof. Anfänglich wirkte Romero eher zurückhaltend und abgewogen. Außerdem galt er als konservativ. Das änderte sich durch Erlebnisse in seinem Umfeld und durch die negativen Auswirkungen staatlichen Handelns auf das Volk. Sicherheitskräfte und das Militär schossen auf Demonstranten, die gegen die gefälschte Wahl auf die Straße gegangen waren. Und auch gegen den Klerus gab es Repressalien: Als ein Schlüsselerlebnis beschreibt Romero die Erschießung seines Freundes, des Jesuitenpaters Rutilio Grande. Soldaten durchsuchten alle Wohnungen aus dessen Pfarrei, verhafteten jeden, der eine Bibel besaß. Viele Menschen wurden verschleppt, die Priester ausgewiesen. Offiziell wurden bei diesen gewalttätigen Aktionen sieben Tote gezählt.

Für Oscar Romero war das ein vollkommener Wendepunkt. Er öffnete sein Bischoffspalais für streikende Arbeiter, Bauern, Professoren und politisch Verfolgte. Er baute eine katholische Radiostation aus, veröffentlichte regelmäßig Beiträge im Rundfunk und in Zeitungen. Mittlerweile zählte er zu den Befreiungstheologen. Seine Hirtenbriefe befassten sich mit Themen wie „Die Kirche lebt nicht für sich selbst.“, „Wozu ist die Kirche da?“ und “Es gibt keine Einheit in der Kirche, wenn wir die Realität, in der wir leben, ignorieren.“

In El Salvador gab es zu der Zeit Kräfte, die solche Töne gar nicht mochten. Oscar Romero wurde am 24. März 1980 während einer Predigt vor dem Altar von einem Scharfschützen erschossen. Der Schütze war ein in einer von den USA betriebenen Militärdiktatur ausgebildeter Major, stellvertretender Geheimdienstchef und Drahtzieher der Todesschwadronen in El Salvador.

Die katholische Kirche, die lange Zeit Probleme mit ihrem engagierten Bruder hatte, hat Romero am Mai 2015 seliggesprochen. Die Heiligsprechung ist geplant.

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Wir brauchen noch einiges für die Einrichtung unserer Gästewohnung!

                                     

 

Spendenaufruf für unsere Gästewohnung

 

BITTE NUR IN RÜCKSPRACHE mit:  

Rike Hedwig Dieckmann (Stadtteildiakonie), Tel.: 040 – 398097840, E-Mail: rike.dieckmann@ev-ke.de

oder Frauke Niejahr (Pastorin), Tel.: 0151 – 19519820, E-Mail: Pastorin.niejahr@ev-ke.de

Wir benötigen dringend:

  • TV-Receiver DBVBT 2+
  • breites komplettes Bett für 2 Erwachsene
  • 2 Kinderbetten plus 2 Matratzen
  • Kinderspielzeug/ Spielteppich
  • Sofa
  • Küchentisch klein
  • Zwei Kommoden
  • Kleiner Kleiderschrank
  • Wäscheklammern/ Wäschekorb
  • Besteck
  • Staubsauger
  • Messbecher
  • Mixer
  • Nähmaschine/Stoffe/Faden
  • Fahrräder für zwei Kinder (4-6 J.) und zwei Erwachsene (ca. Rahmenhöhe 50)
  • Kleinkind Laufrad
  • Puppe zum Baden
  • Gutschein für Hygieneartikel oder Haushaltswaren
  • Gerne auch finanzielle Spenden an:

Evangelisch Lutherische Kirchengemeinde Eimsbüttel

IBAN:   DE 26520604105206446019

BIC:     GENODEF1EK1

Stichwort: Gästewohnung     

Vielen Dank, Ihre Kirchengemeinde Eimsbüttel

 

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Feier der Goldenen Konfirmation in der Apostelkirche

Am 22. Juli 2017 haben 24 Frauen und Männer mit Angehörigen, Freund_innen und Gemeindegliedern zusammen in der Apostelkirche die Goldene Konfirmation gefeiert. Eingeladen waren alle, die vor etwa 50 Jahren konfirmiert worden sind.

Begonnen hat die Feier mit einem Gottesdienst, in dem Pastorin Nina Schumann noch einmal in Erinnerung gerufen hat, was die Konfirmation bedeutet und wie wichtig sie ist. Anschließend sind alle Jubilar_innen an den Altarraum getreten (siehe Foto) und haben von Pastorin Schumann und unserer Diakonin Karin Kluck einen persönlichen Segen zugesprochen bekommen.

Als Erinnerung an den Festtag gab es als Geschenk das Büchlein „Oh! Noch mehr Geschichten für andere Zeiten“ mit kleinen Geschichten zum Schmunzeln und Weiterzählen. Besonders schön war auch die musikalische Begleitung an Orgel und Klavier von Constanze Kowalski.

Beim anschließenden Empfang konnten sich alle Gäste anhand von Zeitungsausschnitten und Büchern aus der Mitte der Sechziger Jahre in das gesellschaftliche und politische Umfeld der Konfirmations-Jahre zurückversetzen lassen.

Jazz-Musik mit den Roten Cardinälen und ein opulentes Büfett rundeten die Feier ab. Die Mischung aus persönlicher Erinnerung – viele haben ihre „offiziellen“ Konfirmationsfotos mitgebracht – und dem Austausch mit Menschen, die in anderen Kirchen unserer Gemeinde (beispielsweise der Bethlehemkirche oder St. Stephanus) oder anderen Gemeinden und anderen Städten konfirmiert worden waren, machten die Feier lebendig und kurzweilig.

Einen langen Applaus bekamen Pastorin Nina Schumann und unsere Diakonin Karin Kluck für die liebevolle Organisation dieser Feier der Goldenen Konfirmation!

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Helmut-Frenz-Preis-Ausschreibung

Helmut-Frenz-Preis 2018

Der Ida Ehre Kulturverein und die ev.-luth. Kirchengemeinde Eimsbüttel schreiben zum dritten Mal den mit 3000 Euro dotierten Helmut-Frenz-Preis aus.

Der Preis richtet sich an Menschen und Organisationen, die der „Menschlichkeit ein mutiges Beispiel geben“. Bewerbungsschluss ist 20.Oktober 2017.

Weitere Informationen unter http://www.ida-ehre-kulturverein.de/content/helmut-frenz-preis/

 

 Ausschreibung des Helmut-Frenz-Preises 2018

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Apostelandacht zu Mathilda Wrede

Apostelandacht zu Mathilda Wrede, gehalten am 28. Mai 2017

Mathilda Wrede wird am 8. März 1864 in Vaasa geboren, einer Provinz in Finnland. Finnland war seit 1809 ein Teil Russlands. Zuvor gehörte es etwa 600 Jahre zum Schwedischen Reich. Aus diesem Grunde gab und gibt es bis heute eine schwedische sprechende Minderheit in Finnland. Im 19. Jahrhundert bildete sie die politisch und wirtschaftlich bestimmende Oberschicht des Landes.

Finnland genoss zunächst unter russischer Verwaltung weitgehende politische Autonomie, zugleich erwachte aber allmählich ein finnisches Nationalbewusstsein.

Ende des 19. Jahrhunderts allerdings bemühte sich Zar Nikolaus II. um eine Russifizierung, wodurch es zu harten politischen Auseinandersetzungen kam. Im Jahr 1904 wurde sogar der russische Generalgouverneur Finnlands ermordet und ein Jahr später kam es zum Generalstreik. Danach sagte der Zar die Wiederherstellung der Autonomie Finnlands zu und gestattete die Schaffung eines finnischen Parlaments.

Zur schwedischsprachigen Oberschicht gehörte auch die Familie des Barons Carl Gustaf Wrede, dem Gouverneur der Provinz Vaasa. Seine Ehefrau Eleonora gebar ihm neun Kinder. Bereits neun Monate nach Mathildas Geburt starb die Mutter, und Mathilda wuchs als Halbwaise zusammen mit zwei Schwestern auf. Die älteren Geschwister waren bereits erwachsen und ausgezogen.

Im Alter von sieben Jahren wurde Mathilda eingeschult. Sie lernte im Gegensatz zu vielen anderen Adligen in der Schule auch Finnisch.

Mit elf kam sie in eine private Mädchen-Internatsschule, die sie mit 15 abschloss.

Nach Hause zurückgekehrt, geriet sie in eine Sinnkrise. Was sollte sie mit ihrem Leben machen? Sie war deprimiert, wahrscheinlich auch depressiv und von Kopfschmerzen geplagt. Zu dieser Zeit besuchte sie in Vaasa Veranstaltungen des Schwedischen Missionsbundes und erlebte bei der Erweckungspredigt eines Laienpredigers ihre Bekehrung.

Wieder zu Hause, wandte sie sich in der Nacht an Gott und betete.

Später sagte sie, es sei eigentlich ein trotziges Gebet gewesen, das sie in jener Stunde an Gott gerichtet habe. Sie gab sich hin in Gottes Hand fürs ganze Leben, ohne Bedingung, ohne Vorbehalt. Und sie fühlte, dass es angenommen wurde. Da überkam sie eine tiefe Ruhe, und kurz nachher sank sie in einen ruhigen, sanften Schlaf.

Fortan mied sie Tanzveranstaltungen und andere Zerstreuungen und verbrachte ihre Zeit mit Bibellesen und religiösen Gesprächen. Zugleich verbesserte sich ihr Gesundheitszustand.

Und sie suchte danach, wo Gott ihr in der Welt einen Platz anweisen und sie zur Arbeit verwenden würde.

Da ereignete sich etwas ganz Alltägliches – das aber entscheidende Bedeutung für sie erhielt.

Das Schloss an ihrer Zimmertür war defekt – es ging weder auf noch zu; um es auszubessern, wurde ein Sträfling geholt, der Schmied war.

Da stand er gefesselt in dem weißen Zimmerchen und arbeitete an dem Schloss – während Mathilda zuschaute.

Sie berichtete später, es sei ihr peinlich gewesen, und in ihrem Innern habe sich ein starker Widerwille erhoben, den sie habe überwinden müssen, ehe sie mit dem Mann sprechen konnte. Sie wagte ihm gegenüber ein paar Worte über Gott und ihr eigenes großes geistliches Erlebnis zu sagen.

Der Mann schaute auf, richtete seine Augen auf Mathilda und sagte: „Ach, gnädiges Fräulein, Sie sollten zu uns hinauskommen und so mit uns reden. Wir hätten es wohl nötig.“

Um ihm eine Freude zu machen, versprach Mathilda, ihn am nächsten Sonntag im Gefängnis zu besuchen.

Aber als sie das ihrem Vater mitteilte, widersetzte der sich und wollte ihr dazu nicht die Erlaubnis geben. Mathilda entgegnete, dass sie das dem Gefangenen aber versprochen habe.

Der Vater gab nach und Mathilda besuchte am nächsten Sonntag in Begleitung eines Aufsehers zum ersten Mal das Gefängnis in Vaasa.

Diesem Besuch folgten weitere.

Eines Tages hatte sie zu einem der Gefangenen gesagt, sie werde an einem bestimmten Tage wiederkommen. Doch gerade an diesem Termin wurde ihr ein Besuch in Aussicht gestellt, den sie nur sehr ungern versäumt hätte. So dachte sie denn, sie könne ihren Gang ins Gefängnis aufschieben. Aber in der darauffolgenden Nacht geschah etwas Merkwürdiges.

War es eine Erscheinung oder ein Traum?

Ein Gefangener kam in ihre weiße Stube hinein, mit schweren Ketten an Hand und Fuß, die klirrten, indem er näher trat. Mitten im Zimmer blieb er stehen und sah sie mit unsäglich traurigen Augen an. Sie wusste nicht, ob er es war, der sprach, aber ganz deutlich vernahm sie die Worte: „Tausende von armen, gebundenen Seelen seufzen nach Leben, Freiheit und Frieden. Sag‘ ihnen ein Wort von ihm, der sie freimachen kann, solange du noch Zeit dazu hast!“ Dann verschwand er.

Mathilde fragte sich: „Ist diese Erscheinung mir nur gesandt worden, weil ich meinen Besuch morgen im Gefängnis nicht aufgeben darf? Oder – kann es wirklich der Wille des Herrn sein, dass die Gefangenen für mich in allererster Linie kommen sollen?“

Sie schlug die Bibel auf und ihr Blick traf auf die Worte Jeremias 1, Vers 6 bis 8: „Ach Herr, Herr, ich tauge nicht zu predigen, denn ich bin zu jung. Der Herr aber sprach zu mir: Sage nicht, ich bin zu jung; sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen, was ich dich heiße.“

Diese Worte waren wie eine Antwort.

Am folgenden Tag gab sie alles andere auf und war zur festgesetzten Zeit im Gefängnis.

Im Herbst 1884 musste sie zu einer Zahnbehandlung nach Helsingfors reisen, dem heutigen Helsinki. Dort begegneten ihr eines Tages auf der Straße einige Gefangene unter Bewachung. Sie blieb stehen und sah ihnen nach.

Dann ging sie zum Gefängnisdirektor, stellte sich als die Tochter des Gouverneurs von Vaasa vor und bat um die Erlaubnis, sämtliche Gefängnisse und Strafanstalten in Finnland besuchen zu dürfen, um, wie ein Freund, geistlich auf die Gefangenen einwirken zu können.

Sie war zu diesem Zeitpunkt zwanzig Jahre alt. Der Direktor antwortete: „Wenn Sie älter wären, würde ich mehr als bedenklich dabei sein. Aber in zwei, allerhöchstens drei Monaten werden Sie wohl eingesehen haben, dass ein Ballsaal ein fröhlicherer und passenderer Aufenthaltsort für Sie ist als eine Gefängniszelle. Ich gebe Ihnen die Erlaubnis, weil sie nicht sehr lange benützt werden wird.“

Sie besuchte nun sogleich die beiden Gefängnisse in Helsingfors, teilte Traktate unter den Gefangenen aus und redete mit ihnen.

Ihre erste eigentliche Gefängnisreise machte Mathilda im nächsten Januar nach Villmanstrand. Der Direktor und auch der Pfarrer empfingen sie freundlich, aber für ihre Arbeit zeigten beide recht wenig Verständnis.

Kurz nachher war sie im Bezirksgefängnis in Viborg, und im April fuhr sie nach Abo, um Kakola zu besuchen.

Kakola in Abo ist Finnlands größtes Gefängnis. Wenigstens fünfhundert Gefangene gab es dort, als die zwanzigjährige Mathilda Wrede es zum ersten Mal betrat.

Da es Karfreitag war, wollte sie in der Kirche predigen und betete zuvor: Gott solle ihr doch die Kraft geben, für ihn Zeugnis abzulegen. Er solle ihr in vor allem in der finnischen Sprache helfen. Die hatte sie zwar in der Schule gelernt, aber unvollkommen, und jetzt musste sie in ihr reden, weil die Gefangenen kein Schwedisch verstanden.

Nach dem Gebet war jeder Rest von Unruhe von ihr abgestreift. Sie vergaß, in welcher Sprache sie redete – hatte das Gefühl, als ob ein anderer durch sie spreche und ihr die Worte auf die Lippen legte, wie sie später berichtete.

Tiefe Stille herrschte in der Kirche. Aber als sie schwieg, drangen Laute an ihr Ohr, die ihr tief ins Herz griffen. Ringsum weinten Gefangene…

Aber hauptsächlich waren es Gespräche unter vier Augen, die Mathildas Zeit in Anspruch nahmen. Bei den Einzelgesprächen kamen ihr ihre ganz natürlichen Fähigkeiten und Eigenschaften zu Hilfe: ihr großer Verstand, ihre unmittelbare Erkenntnis, ihr Zartgefühl und ihr Takt. Zwar war sie von jeher menschenfreundlich gewesen, aber jetzt durchströmte sie ein ganz neues Mitgefühl für diese leidenden Menschen. Ihr war, als ob ein Funke der göttlichen Liebe ihr Herz entzündet habe, damit sie diese Gefangenen liebe. -

Eine Zelle beherbergt einen der gefährlichsten, berüchtigtsten Sträflinge, „bei dem man“, wie der Direktor sagt, „weder mit Worten noch mit Schlägen etwas ausrichtet. Aber nach andern schlagen, das tut er, wenn er Gelegenheit dazu findet.“

Seine Zelle ist deshalb auch ganz leer, und er ist in dem „großen Eisen“. Die breiten Hals- und Leibeisen sind mit zwei schweren Ketten über der Brust und zwei entsprechenden auf dem Rücken verbunden. Von dem Leibeisen laufen zwei kurze Ketten nach beiden Seiten hinaus, die in Handschellen endigen. Außerdem hat er auch noch eiserne Fesseln an den Füßen. Diese fürchterliche Tracht hat er nun beinahe anderthalb Jahre getragen.

Der eisenbeladene Mann sieht einen Augenblick nach der Tür, als Mathilda eintritt – späht überrascht weiter, ob nicht noch andere nachkommen, wendet sich dann aber wieder ab. Er will sich mit niemand in ein Gespräch einlassen.

Da liegt er auf dem Boden – und nachdem sie ihn ein Weilchen betrachtet hat, ruft sie einen Wärter herbei, die sie sonst recht weit entfernt hält. „Bringen Sie mir einen Stuhl“, sagt sie.

Der Wärter schüttelt den Kopf. „Das geht nicht“, sagt er. „Er gebraucht ihn gleich als Waffe.“

Sie aber wiederholt: „Wollen Sie mir den Stuhl aus meinem Empfangszimmer holen?“

Er bringt ihn kopfschüttelnd, und als er zögernd wieder gegangen ist, sagt sie zu dem Eisenbeladenen: „Stehen Sie auf!“

Sein Ausdruck wird hasserfüllt, während er ihrer Aufforderung nachkommt. Will sie sich nun wie ein Richter hinsetzen, und er soll vor ihr stehen, wie der arme Sünder, der er ist!

Aber da sagt sie: „Setzen Sie sich nun hierher! Eine andere Stellung ist jetzt gewiss notwendig für Sie. Sie werden sehen, es wird Ihnen gut tun. Dann bleibe ich ganz ruhig stehen, bis Sie fühlen, dass Sie sich etwas ausgeruht haben.“

Er setzt sich auf ihren Stuhl und seine ganze Erscheinung strahlt Erleichterung und Wohlbefinden aus. Das wird sie nie wieder vergessen können!

Das Eis zwischen ihnen ist gebrochen. Als sie jetzt mit ihm spricht, hört er zu. Aber plötzlich unterbricht er sie und deutet auf die Wand. „Können Sie sich denken, woher diese große Vertiefung kommt? Ich will es Ihnen sagen. Als ich noch in meiner Zelle arbeiten durfte, hab‘ ich ein wenig geschreinert. Da hab‘ ich eines Tages den Aufseher, als er hereinkam, totschlagen wollen. Ich zielte mit der Axt auf seinen Kopf – die Axt flog vom Schaft weg gerade hier an die Mauer. Wie Sie selbst sehen können, war es ein ordentlicher Stoß“ – fährt er mit jähem Auflachen fort. „Der hätte dem Aufseher sicher den Kopf bis zum Hals hinunter gespalten.“

Während er das sagt, sieht er Mathilda die ganze Zeit über starr an, dann fragt er: „Wie können Sie es nur wagen, Sie, ein solches Kind, zu uns Banditen hereinzugehen? Sie wissen wohl nicht, dass ich der schlimmste von allen den Sträflingen bin – also der schlechteste Mensch in ganz Finnland? Bekommen Sie da nicht Angst?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein“, sagt sie, „ich wusste wohl, wer Sie sind. Aber ich glaube gar nicht, dass Sie mir etwas Böses antun würden. Und im Übrigen ist Gott bei mir, wenn er mich beschützt, hab‘ ich nichts zu fürchten.“

„Dann sind Sie wohl eine Christin“, versetzt er. Und kurz nachher fügt er hinzu: „Noch nie in meinem Leben hat man mir so viel Freundlichkeit gezeigt wie heute. Es ist sonderbar, da meint man, auf der weiten Welt kümmere sich niemand, aber auch gar niemand um einen, und dann trifft man plötzlich mit einem Menschen zusammen, der es gut mit einem meint. Ich hätte fast Lust, auch ein Christ zu werden – wenn das überhaupt noch möglich ist.“

Mathilda sieht, wie bewegt er ist; aber dann fährt er plötzlich jäh auf und reißt und zerrt an seinen Ketten, deren Klirren die Zelle mit einem unheimlichen Lärm erfüllt. „In diesen Eisen kann ich kein besserer Mensch werden, sie drücken mich und schaben mir die Haut wund. Es wird immer schlimmer mit mir – schließlich werde ich noch ein ganzer Teufel.“

Ihr tut der Mann leid. Sie legt ihm die Hand auf die Schulter und spricht so sanft mit ihm, als sie nur kann. Allmählich beruhigt er sich wieder.

Ehe sie geht, bittet sie ihn, doch in dem Neuen Testament zu lesen, das gewöhnlich in den Zellen liegt. O ja, er möchte gerne, erwidert er, aber er habe das Buch einem der Gefangenenwärter an den Kopf geworfen, da habe man es fortgenommen.

Das reicht sie ihm ein Neues Testament, und sofort sagt er: „Sie dürfen ganz ruhig sein, dieses werde ich nie zu so etwas benützen.“

Im nächsten Jahr besuchte Mathilda Wrede außer Kakola in Abo auch die Gefängnisse in Villmanstrand, St. Michel, Helsingfors und Tavastehus, das einzige Zuchthaus für Frauen.

Zu ihrem zweiundzwanzigsten Geburtstag schenkte ihr Vater ihr ein leerstehendes Haus, in dem er ein Heim für freigelassene Gefangene einrichten wollte. Die Leitung des Hauses sollte ihr und ihrem Bruder Henrik übertragen werden.

Nach einer Umbauzeit von einem Jahr wurde das Heim eröffnet. Mathilda widmete ihm ihre ganze Liebe und alle ihre Zeit, wenn sie nicht auf Reisen in die Gefängnisse war.

Sie machte hier aber die Erfahrung, dass solche, die ihre Freiheit wieder erreicht haben und sich obenauf fühlen, ihr sehr große Schwierigkeiten bereiten konnten.

Und bei alledem war sie erst dreiundzwanzig Jahre alt.

Aber sie ließ den Mut nie sinken. Und ihre Energie, ihr unbeugsamer Wille führten das durch, wovor die meisten andern zurückgeschreckt wären.

An einem Herbsttag, als Baron Henrik abwesend war, hatte Mathilda zwei Männern befohlen, Sand auf den Wirtschaftshof zu fahren, weil er vom Regen ganz durchweicht war. Als sie mit der Fuhre ankamen und Mathilda eine Bemerkung über ihre Arbeit machte, fühlten sie sich gekränkt und liefen weg.

Der eine ließ das Pferd auf dem Hof stehen und ging in die Werkstatt, wo mehrere von den andern versammelt waren. Mathilda ging ihm nach. Er hatte sich an den  Schleifstein gesetzt, und eine Axt lag vor ihm auf dem Boden.

„Sie dürfen das Pferd nicht draußen stehen lassen“, sagte sie.

In demselben Augenblick sprang der Mann auf, ergriff die Axt und zielte auf Mathilda.

Sie trat ruhig auf ihn zu. „Legen Sie die Axt weg, und zwar augenblicklich!“ rief sie.

Da ließ er die Hand sinken.

Sie wendete sich an einen der andern, die daneben standen und mehr oder weniger verblüfft dreinschauten.

„Spannen Sie das Pferd aus. Ich will nicht, dass es dieser Mann tut, wenn er so roh sein kann.“ Und mit einem Blick auf ihn, fügte sie hinzu: „Es wird am besten sein, wir zwei reden allein miteinander.“

Darauf ging sie in das Zimmer ihres Bruders.

Endlich erschien der Sünder.

Mathilda saß am Schreibtisch; ohne sich umzusehen, sagte sie: „Sie dürfen mich wohl unterbrechen, wenn Sie mir etwas zu sagen haben. Ich schreibe nur so lange weiter.“

Eine Weile blieb er ganz stumm, während sie auf ein Blatt immer und immer wieder nichts als ihren Namen kritzelte.

Dann endlich kam es. „Ich habe sehr Unrecht getan“, sagte er.

„Es ist gut, dass Sie das einsehen“, versetzte sie ernst. „So, und nun können sie wieder gehen.“ -

Aber Mathilda betreute nicht nur Strafgefangene, sondern predigte auch in der Öffentlichkeit.

Und im Sommer 1890 gab es einen großen internationalen Kongress in St. Petersburg, wo die höchsten Vertreter des Gerichts- und Gefängniswesens des Zarenreichs anwesend waren.

Mathilda Wrede reiste als Delegierte hin.

Während der Tagungen auf dem Kongress gewann Mathilda allerdings den Eindruck, dass sie als Freund der Gefangenen ganz allein stand.

Dann wurden die Kongressmitglieder zur Tafel im Winterpalast des Zaren befohlen. Mathilda Wrede befand, dass derartige Feste weder für sie passten noch sich mit ihrer ganzen Lebensführung vereinbaren ließen.

Sie ging also auf das Kongressbüro mit ihrer Antwort: „Baronin Wrede ist nicht in der Lage, an dem großen Festmahl im Winterpalast teilzunehmen.“

Die Beamten im Büro waren außer sich und versuchten ihr begreiflich zu machen, dass eine Absage überhaupt nicht angängig sei, umso weniger, als ihr Platz schon bestimmt war, und zwar am kaiserlichen Tisch selbst.

Aber Mathilda war unbeugsam. Baronin Wrede war nicht in der Lage, bei der kaiserlichen Tafel anwesend zu sein.

Schon seit der Eröffnung des Kongresses hatte sie das unangenehme Gefühl gehabt, dass sie fortwährend von einem Spion beobachtet und verfolgt werde.

Mathilda sprach während des Kongresses ihre Ansichten frei und offen aus. All dies war in Russland mehr als genügend, um sie verdächtig zu machen. Und dazu kam ihre Weigerung, an der kaiserlichen Tafel teilzunehmen.

Während der Rückfahrt vom Besuch einer Verbrecherkolonie riet ein hochstehender belgischer Jurist Mathilda dringend, sofort St. Petersburg heimlich zu verlassen. Sie verließ dem nächsten Zug die russische Hauptstadt.

Mathilda sah während ihrer Besuche in den Gefängnissen allerlei schlimme Missstände. Sie beschwerte sich darüber beim jeweiligen Direktor, dem Geistlichen oder dem Arzt oder sogar bei der Verwaltung des Gefängniswesens. Als einige ihrer Beschwerden über die Medien in die Öffentlichkeit gelangten, sollte sie nur noch in Gegenwart Dritter mit den Gefangenen Gespräche führen dürfen. Mathilde lehnte diese Zumutung ab – daraufhin wurden ihr die Besuche in den Gefängnissen verboten.

Nicht allein Mathildas Freunde, sondern auch annähernd die ganze finnische Presse stellte sich auf ihre Seite und gegen die Gefängnisdirektion, aber die Obrigkeit blieb hart.

Wegen des Verbots konnte Mathilda sich jetzt nur noch den freigelassenen Sträflingen und den Verwandten der Gefangenen widmen.

Kurz danach begann der Erste Weltkrieg. Und nach Neujahr 1917 brach der russische Militäraufstand los. Mathilda wurde gebeten, ihre Tätigkeit im Gefängnis wieder aufzunehmen. 750 Gefangene unterschrieben einen Brief, in dem stand: „Kommen Sie rasch! Innig sehnen sich nach Ihnen und warten auf Sie die Unterzeichneten in Kakola.“

Der neue Gefängnisdirektor fügte dem Schreiben noch seine persönliche, dringliche Bitte bei.

Unter dem lauten Jubel aller Gefangenen begann ihr erster Besuch im Gefängnis. -

In den folgenden Monaten kam es zu Kämpfen innerhalb Finnlands zwischen den „Roten“ und den „Weißen“.

Während der ganzen Schreckensperiode blieb Mathilda in Helsingfors. Ihre Tür stand allen offen, Roten ebenso wie Weißen. Alle, die in Not waren, durften Mathilda ihr Leid klagen, und sie fanden jederzeit Teilnahme und Verständnis. -

Im Frühjahr 1918 kamen deutsche Truppen nach Finnland und halfen dem finnischen General Mannerheim, die Herrschaft der Roten zu beenden. Die Weißen nahmen blutige Rache. Tag und Nacht hörte Mathilda das Knallen von Schüssen.

Unter der roten Schreckensherrschaft war sie gefragt worden, ob sie Weiße bei sich verbergen würde, und sie hatte geantwortet: „Mein Heim steht jedem offen. Wer immer zu mir kommt, wird als Freund aufgenommen, und ich werde ihm helfen, so gut ich kann. Aber ich kann niemand hier verbergen.“ Jetzt, nach dem Sieg der Weißen, wurde dieselbe Frage in Beziehung auf die verfolgten Roten an sie gerichtet. Und ihre Antwort lautete wie das erste Mal. Sie ließ sich von keiner Partei in Besitz nehmen. -

In ihren letzten Lebensjahren war Mathilda Wrede schon von Krankheit heimgesucht; aber trotzdem war sie rastlos tätig und von ihrer Lebensarbeit ganz hingenommen, wenn auch nicht mehr direkt in den Gefängnissen.

Für ihre früheren Freunde unter den Gefangenen, die jetzt größtenteils entlassen waren, stand ihre Tür beständig offen. Immer war sie bereit, ihnen mit Rat und Tat beizustehen, und zwar am meisten durch die Gespräche mit ihnen unter vier Augen, bei denen die Macht ihrer Persönlichkeit sich wohl auch am vollkommensten entfalten konnte.

Gleichzeitig aber gab es neue Anforderungen an ihre Hilfsbereitschaft. In diesen Jahren nach dem Krieg wurde Finnland von russischen Flüchtlingen überschwemmt, die nur mit knapper Not durch die Flucht über die Grenze das nackte Leben gerettet hatten.

Mathilda Wrede gelang es, in Helsingfors ein Komitee zu bilden zum Einsammeln von Geld, Lebensmitteln und Kleidern, sowie ein zweites Komitee zum Austeilen der Güter.

Sie reiste auch selbst zur Karelischen Halbinsel, um das Verteilen der Gaben in Gang zu setzen und die Menschen kennenzulernen, denen geholfen werden sollte. -

Im Jahr 1924 wurde Mathilda Wrede von russisch-orthodoxen Mönchen in ihr Kloster Valamo eingeladen. Mathildas große Hilfsarbeit für die russischen Flüchtlinge hatte dort eine tiefe Dankbarkeit hervorgerufen. Bei diesem Besuch bekam sie einen Einblick in die Konflikte des Klosters mit dem neugegründeten finnischen Staat.

Die Regierung hatte nämlich die Verordnung erlassen, dass sich alle Orthodox-Gläubigen in Finnland der neuen Zeitordnung anzuschließen hätten. Die Regeln des Klosters aber enthielten gerade in Beziehung auf die kirchlichen Feste sehr strenge Vorschriften über das Festhalten am Julianischen Kalender.

Die Mönche standen vor einer tragischen Wahl: Richteten sie sich nicht nach der Obrigkeit, dann setzten sie sich der Gefahr aus, dass ihr Kloster aufgehoben und sie selbst des Landes verwiesen wurden; beugten sie sich aber den Behörden, dann war brachen sie ihren Mönchseid. Und viele von den Brüdern wollten lieber sterben als nachgeben.

Nach Helsingfors zurückgekehrt, schickte sie ein eindringliches Schreiben an den Staatsminister, worin sie die peinliche Lage und Gewissensbeunruhigung der Mönche klarlegte. Und sie schrieb noch eindringlicher an den Völkerbund – aber ohne Erfolg.

Ihr gelang es schließlich, ein Jahr Aufschub für die Mönche zu erreichen. Ihr selbst aber brachte ihre Parteinahme für die Mönche starke Angriffe in den Zeitungen und anonyme Schmähbriefe ein.

Dann nahmen ihre Kräfte unaufhaltsam ab, und ihr ganzes letztes Lebensjahr hindurch war sie von Schlaflosigkeit, Schmerzen und Atemnot gequält. Aber „die muntere Heilige“, wie man sie nannte – sagte mutig und lächelnd: „Wenn man einen steilen Berg hinaufsteigt, geht einem der Atem aus. So muss es auch hier sein – den mein Ziel ist da die ewige Höhe.“

Am Vormittag des 24. Dezember 1928 sagte sie zu einer guten Bekannten: „Es ist gut, dass du kommst, denn dies ist mein letzter Tag. In der Nacht gehe ich über die Grenze.“

Merkwürdig ist es, dass Mathilda Wrede auf ihrem Sterbelager immer wieder davon sprach, wie viel Arbeit im „Jenseits“ auf sie warte. Und mit einem kleinen Augenzwinkern fügte sie hinzu, der liebe Gott werde schon wissen, wie wenig sie sich dazu eigne, ruhig dazustehen und auf der Harfe zu spielen. Sie war sehr unmusikalisch.

Noch in der letzten Nacht, als ihre Freundin nach ihr sah, sagte Mathilda: „Jetzt eben hat mir Gott eine neue Aufgabe zugewiesen. Glaubst du, dass irgendjemand auf Erden so glücklich ist wie ich!“ „Nein“, antwortete die Freundin, „das glaube ich nicht“ – so überzeugend klar war das Leuchten in den Augen der Sterbenden.  Dann löschte Mathilda selbst das elektrische Licht und legte sich nieder. Als die Freundin am nächsten Morgen an ihr Lager trat, war sie verstorben. Mathilda Wredes Christentum war praktisch durch und durch, und sie hatte die Worte Christi verstanden: „Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.“

Eben diesen Kranken, Elenden, Ausgestoßenen hat sie ihr ganzes Leben geweiht.

Rolf Polle

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Fröhlicher Empfang zur Verabschiedung von Jan Kohrt

Im Anschluss an den Abschiedsgottesdienst für unseren Diakon Jan Kohrt gab es bei einem Empfang noch zahlreiche Geschenke und ausgiebige Würdigungen. Sehr beeindruckend war der Gesang eines Chores mit 17 Sängerinnen und Sängern, überwiegend haupt-, aber auch ehrenamtlich in unserer Gemeinde Arbeitender. Auch das Catering konnte sich sehen lassen. Und daran erfreuten sich alle Gäste im dicht gefüllten Gemeindesaal der Christuskirche

Für das FreiwilligenForum und die Gemeindenachmittage in der Apostelkirche ist jetzt unsere Diakonin Karin Kluck verantwortlich. Alles Weitere ergibt sich nach der Wiederbesetzung der freigewordenen Stelle.

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Diakon Jan Kohrt verlässt unsere Gemeinde

In einem feierlichen Gottesdienst ist unser Diakon Jan Kohrt nach 38 Dienstjahren am Sonntag, dem 21. Mai 2017, in der Christuskirche entpflichtet und in die passive Altersteilzeit entlassen worden. Sehr viele ehemalige Weggefährtinnen und -gefährten sind ihm zu Ehren gekommen, um ihn noch einmal zu würdigen, die große Vielfalt seines Engagements aufzufächern und zu betonen, welch große Lücke er hinterlässt.

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Am 9. Mai 1921 ist Sophie Scholl in Forchtenberg (Baden-Württemberg) geboren, eine der neuen Apostel im Altarraum der Apostelkirche. - Linkes Chorfenster, oben.

Sophie Scholl und ihre vier Geschwister wuchsen in einem liberalen Elternhaus und mit christlichen Werten auf. Ihre Mutter war bis zur Heirat Diakonisse. Die ersten zwölf Jahre lebte Sophie Scholl in dem kleinen Ort Forchtenberg. Dann, im Jahr der Machtergreifung Hitlers, zog die Familie nach Ulm. Während der Vater von Anfang an dem Nazi-Regime ablehnend gegenüber stand, traten alle Kinder der Hitlerjugend bei. Die anfängliche Begeisterung hält aber nicht lange an. Sophie beobachtet bei ihrem Bruder Hans, dass er vom leidenschaftlichen Anhänger zum Hitler-Gegner wird. Auch Gespräche mit dem Vater haben ihre Wirkung.

1940 besteht Sophie Scholl ihr Abitur, 1942 zieht sie nach München, um ihr Studium zu beginnen. Dort studiert bereits Bruder Hans, der sich zwischenzeitlich zum aktiven Widerständler entwickelt hat und mit Freunden zusammen Aufrufe gegen das Naziregime verbreitet. Dieser Gruppe, der „Weißen Rose“ schließt sich auch Sophie an. Nach den biblischen Worten „Seid Täter des Wortes – nicht Hörer allein“ übernimmt sie Kurierdienste, damit die Flugblätter auch in anderen Städten verteilt werden können. Natürlich wissen die Mitglieder der „Weißen Rose“, dass sie jederzeit verhaftet werden können. Aber Sophie vertritt den Standpunkt „Es fallen so viele Menschen für dieses Regime, es wird Zeit, dass jemand dagegen fällt.“

Bei einer Verteilaktion im Februar 1943 werden Sophie und Hans Scholl in der Münchner Universität entdeckt und sofort verhaftet. Beide werden zum Tode verurteilt und zusammen mit ihrem Freund Christoph Probst am 22. Februar 1943 hingerichtet.

 

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Am 9. April 1945 ist Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg umgebracht worden, eine der neuen Apostel im Altarraum der Apostelkirche. - Linkes Chorfenster, unten.

Dietrich Bonhoeffer war evangelischer Theologe. Er ist 1906 als sechstes von acht Kindern in Breslau geboren. Sein Vater war Psychiater und Neurologe. 1912 zog die Familie nach Berlin, weil Karl Bonhoeffer einen Ruf an die Friedrich-Wilhelms-Universität angenommen hatte. Die Mutter, eine Enkelin des evangelischen Theologen Karl von Hase, kümmerte sich um die Erziehung der Kinder und unterrichtete diese in den ersten Jahren auch zuhause.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs setzte ich Dietrich mit Fragen nach Tod und Ewigkeit auseinander, nachdem einer seiner Brüder als Soldat gestorben war.

 Dietrich Bonhoeffer hat in Berlin Evangelische Theologie studiert, promoviert und sich bereits mit 24 Jahren habilitiert. Nach einigen Auslandsaufenthalten wurde er Privatdozent für Evangelische Theologie in Berlin und arbeitete bei der Vorgängerorganisation des Ökumenischen Rates der Kirchen. Ab April 1933 nahm Bonhoeffer öffentlich Stellung gegen die nationalsozialistische Ideologie und die Judenverfolgung und engagierte sich gegen die „Deutschen Christen“ (eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus, die diesen an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollte) und gegen den Arierparagraphen. Dietrich Bonhoeffer ist Mitbegründer der „Bekennenden Kirche“ und des „Pfarrernotbundes“, einer christlichen Widerstandsgemeinschaft gegen die nationalsozialistische Herrschaft.

Ab 1935 leitete Bonhoeffer das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde, etwa ab 1938 schloss er sich dem Widerstand um Wilhelm Franz Canaris an. Er erhielt zunächst Rede- und 1941 auch Schreibverbot und wurde im April 1943 verhaftet. Zwei Jahre später wurde er – einen Monat vor der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht - auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers gemeinsam mit anderen Widerstandskämpfern im Konzentrationslager Flossenbürg umgebracht.

 

 
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Am 29. März 1893 ist Anna Paulsen in Hoirup/Nordschleswig geboren, eine der neuen Apostel im Altarraum der Apostelkirche. - Rechtes Chorfenster, Zweite von oben.

Die evangelische Theologin Anna Paulsen gilt als Vorreiterin von Frauen, die in das damals noch ausschließlich Männern vorbehaltene Pfarramt strebten. Ebenso gilt sie als Wegbereiterin für Frauen, die wissenschaftliche Forschung betreiben möchten. So gehört sie zu den ersten promovierten Theologinnen Deutschlands, die 1924 den Doktortitel erhielt.

Anna Paulsen wächst als älteste von vier Töchtern in einer Pastorenfamilie auf. Schon als Jugendliche diskutiert sie mit ihrem Vater theologische und weltanschauliche Fragen. Besonderes Interesse gilt dem protestantischen Theologen und Philosophen Sören Kierkegaard.

Zunächst absolviert sie eine Lehrerinnenausbildung, anschließend studiert sie Theologie. 1916 beginnt Anna Paulsen in Kiel mit dem Studium der Fächer Deutsch, Geschichte und Religion für das höhere Lehramt, schließt aber das Vollstudium der evangelischen Theologie mit der Promotion ab. Um die Promotion zu finanzieren, bildet Anna Paulsen in einjährigen Kursen Katechetinnen für den kirchlichen Dienst aus, eine Vorform der späteren Gemeindehelferinnen.

Anna Paulsen spricht sich für ein öffentliches Auftreten und Handeln von Frauen aus. 1935 erscheint unter dem Titel „Mutter und Magd – Das biblische Wort über die Frau“ ihr erstes Buch zu diesem Themenkomplex.

Während der Zeit des Nationalsozialismus übt sie Kritik an der Mutterideologie der Nazis. Sie schließt sich der „Bekennenden Kirche“ in der Gemeinde von Martin Niemöller an, streitet für die Ordination von Theologinnen und setzt sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Vikarinnen ein.

1951 wird ihr die Leitung des Frauenreferats der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) übertragen. Es geht um die Entwicklung von Richtlinien für Ämter der Frau in der Kirche im Allgemeinen und um den Dienst der Theologin im Besonderen. In dieser Zeit veröffentlicht sie auch Bücher zum Thema „Der Dienst der Frau in den Ämtern der Kirche“.

1958 geht Anna Paulsen in den Ruhestand. 1981 stirbt sie mit 87 Jahren in einem Pflegeheim in Heide/Schleswig.

 
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Am 8. März 1864 ist Mathilda Wrede in Vaasa, Finnland, geboren, eine der neuen Apostel im Altarraum der Apostelkirche. - Mittleres Chorfenster, unten.

Mathilda Wrede kam als jüngstes Kind des Gouverneurs der Provinz Vaasa zur Welt, ihre Mutter starb am Weihnachtstag 1864, als Mathilda erst neun Monate alt war.  Mathilda wuchs mit zwei älteren Schwestern auf: der 16 Jahre älteren Helena und der sechs Jahre älteren Johanna. Helena übernahm als Älteste die Erziehung der jüngeren Geschwister. In dem finnisch-schwedischen Aristokratenhaushalt waren auch Bedienstete, Kindermädchen und andere beschäftigt, die den Haushalt am Laufen hielten.

Als Mathilda 18 Jahre alt war, ging es ihr nicht gut. Sie war deprimiert und litt unter Kopfschmerzen. In der Zeit besuchte sie Veranstaltungen des „Schwedischen Missionsbundes“ und wurde durch ein spirituelles Erlebnis bekehrt. Sie verbrachte ihre Zeit nun vor allem mit Bibellesen – und ihre Gesundheit besserte sich.

Neben den angestellten Bediensteten arbeiteten auf dem Hof von Mathildas Vater immer Häftlinge. Mit einem dieser Gefangenen kam Mathilda ins Gespräch über Glaubensfragen. Und sie wurde gefragt, ob sie nicht auch ins Gefängnis kommen könne, um mit den anderen Häftlingen diese Fragen zu besprechen. Nach anfänglicher Verwunderung fragte sie ihren Vater, der als Gouverneur die Erlaubnis dafür geben musste. An der Seite eines Wachmanns begann sie also mit der Missionierung der Gefangenen. Im Laufe der Jahre durfte sie die Glaubensbotschaft auch in anderen Gefängnissen verbreiten.

Je mehr Gefängnisse sie kennenlernte, umso klarer wurde ihr, dass sie ihren Einfluss auch geltend machen musste, um sich für bessere Haftbedingungen einzusetzen. Vor allem die medizinische Versorgung der Insassen war mangelhaft. Das Gewicht ihres Engagements verlagerte sich: Die religiöse Botschaft trat in den Hintergrund, dafür suchte sie verstärkt Kontakt zu politischen Gefangenen und unterstützte deren Forderungen nach Reformen. Einen Skandal verursachte sie durch die Weitergabe von Informationen über die Haftbedingungen an die Öffentlichkeit.

Später, während des Russischen Bürgerkriegs, versuchte Mathilda Wrede, die Lage der Kriegsgegangenen und Flüchtlinge zu verbessern. Sie starb am 25. Dezember 1928 in Helsinki.

 
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Am 26. Februar 1808 ist Elise Averdieck in Hamburg geboren, eine der neuen Apostel im Altarraum der Apostelkirche. - Rechtes Chorfenster, Zweite von unten.

Elise Averdieck war Gründerin des Kranken- und Diakonissenmutterhauses Bethesda in Hamburg, Schulleiterin und Schriftstellerin. Sie wurde als zweites von zwölf Kindern eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Nachdem sie bereits lesen und schreiben gelernt hat, begann mit zehn Jahren ihr Unterricht bei dem Pfarrer Johann Wilhelm Rautenberg. Nach ihrer Konfirmation 1823 verließ Elise Averdieck die Schule, um ihrer Mutter bei der Versorgung des großen Haushalts zu helfen. Allerdings merkte sie, dass ihr ein Hausfrauendasein als Lebensaufgabe bei Weitem nicht genügte.  Mit 21 verfasste sie folgende Zeilen: „Ein jeder Mensch, er sei Mann oder Weib, lerne so viel und so lange er kann, zu viel lernt man nie…Das Weib hat eine schöne, herrliche Bestimmung…und die ist nicht allein, den Hausstand zu führen…Warum haben ferner die Männer ein Vorrecht, mehr lernen zu dürfen als die Frauen?“ 1837 eröffnete sie in St. Georg, ein damals wenig angesehener Stadtteil, eine Vorschule für Knaben. Außerdem übernahm sie in der St. Georger Sonntagsschule Rautenbergs die Mädchenabteilung.

Elise Averdieck arbeitete ab 1856 nicht mehr als Lehrerin, sondern zusammen mit Amalie Sieveking im „Frauenverein für Armen- und Krankenpflege“, gründete das evangelische Krankenhaus Bethesda und wenig später ein Diakonissen-Mutterhaus. Bethesda wurde 1860 offiziell Ausbildungsstätte für christliche Krankenpflegerinnen. Averdieck wurde Vorsteherin und blieb es bis 1881.

Elise Averdieck wird auch in der Ausstellung „…von gar nicht abschätzbarer Bedeutung_ - Frauen schreiben Reformationsgeschichte“ vorgestellt. Im Ausstellungskatalog heißt es über sie: „Sie verband Realitätssinn und tiefe Religiosität mit dem Dienst an den Nächsten – ob es Kinder, Arme, Sieche und Kranke waren. Sie setzte dabei ihr großes organisatorisches Talent zur Gründung von Ausbildungseinrichtungen, wie des ersten Diakonissenmutterhauses in Hamburg und später in Braunschweig, ein. Zu dienen blieb für Elise Averdieck weibliche Bestimmung. Dennoch waren für sie Selbstständigkeit, Bildung, Professionalität und Berufstätigkeit von Frauen dazu kein Widerspruch. Sie selbst lebte diese Überzeugung in den Formen des bürgerlichen Lebens, das sie geprägt hatte. Averdieck starb am 4. November 1907 im Alter von 99 Jahren.“

 
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Am 19. Februar 1907 ist Rudolf von Beckerath in München geboren. Er stammte aus einem künstlerischen Haus. Der Vater war Maler, die Mutter Pianistin. In seinem Geburtsjahr siedelten die Eltern nach Hamburg über, wo Rudolf von Beckerath aufwuchs und zunächst Maschinenbauingenieur werden wollte. Nachdem er einige norddeutsche Orgeln kennengelernt hat, vor allem die von Arp Schnittger, beschloss er, Orgelbauer zu werden.

Die große Orgel der Christuskirche wurde 1956 von der Orgelbaufirma Rudolf von Beckerath erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 24 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertraltirem sind mechanisch.

Nach ca. 2 ½-jähriger Ausbildung ging Rudolf von Beckerath zunächst für ein Jahr nach Kopenhagen und baute anschließend in Paris eine Firma auf. Über seine Aufgaben schrieb er folgendes: „Die Fabrikation von Labial- und Zungenstimmen, die vorher von auswärts bezogen wurden, wurde von mir neu eingerichtet, eine Schlosserwerkstatt angegliedert und verbesserte Arbeitsmethoden eingeführt. Daneben selbstständiges Wirken in Entwurf und Konstruktion.“ 1936 kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete als freiberuflicher Sachberater für Orgelbau in Hamburg: Planung, Konstruktion und Bauleitung bei Neu-, Umbau- und Wiederherstellungsarbeiten von Orgelwerken gehörte zu seinen Aufgaben. 1949 gründete Rudolf von Beckerath seine eigene Firma. Die erste große Orgel, die er baute, war für die Hamburger Musikhalle und hatte 59 Register, 4 Manuale, Schleifladen und mechanische Spieltraktur war 1951 ein aufsehenerregender Neubau.

Beckerath-Orgeln stehen heute an vielen Orten: Hawaii, Sydney, Montreal, Tokyo, Bombay und in Hamburg-Eimsbüttel.

 
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